Cron

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Animation zum Durchklicken: Cron und systemd-Timer

Chronos Tabula

  • Der Name leitet sich vom griechischen Wort für Zeit ab (chronos), crontab steht für cron table
  • Der Legende nach hat sich der Entwickler dabei verschrieben – eine schöne Anekdote, belegt ist sie nicht

  • Der cron-Daemon ist eine Jobsteuerung für wiederkehrende Aufgaben, die automatisch zu einer bestimmten Zeit ausgeführt werden sollen (cronjobs).
  • z.B. Archivieren und Löschen von Logdateien, Erneuern von Zertifikaten, DynDNS oder andere Programme zur Instandhaltung des Systems
  • Der Cron-Daemon überwacht dazu verschiedene Dateien und Verzeichnisse, in denen Anweisungen liegen, die in regelmäßigen Abständen ausgeführt werden sollen (crontabs).
  • Beim Start des Daemons wird die Tabelle in den Arbeitsspeicher geladen
  • Es wird minütlich nach auszuführenden Jobs und Änderungen im crontab geprüft

Crontabs

  • Um Syntaxfehler zu vermeiden, werden die Tabellen nicht nur mit dem Texteditor bearbeitet, sondern über den Befehl: crontab

User-Crontab

  • Jeder Benutzer des Systems kann eine eigene Crontab erstellen und bearbeiten
  • Die Jobs, die darin aufgeführt sind, werden von Cron unter der jeweiligen Benutzerkennung ausgeführt
  • Gespeichert wird sie unter /var/spool/cron/crontabs/ (Debian) bzw. /var/spool/cron/ (Rocky) – dort nie direkt bearbeiten, sondern immer mit crontab -e
  • Wer Crontabs anlegen darf, regeln /etc/cron.allow und /etc/cron.deny. Existiert cron.allow, dürfen nur die dort genannten Benutzer

Systemweiter Crontab

  • Befindet sich unter /etc/crontab
  • Das Format unterscheidet sich etwas von den Benutzercrontabs: es gibt eine zusätzliche Spalte für den Benutzer, unter dem der Job laufen soll

/etc/cron.d/

  • Hier liegen Dateien im selben Format wie /etc/crontab – also mit Zeitfeldern und Benutzerspalte
  • Nützlich für Snippets, vor allem für Pakete, die eigene Jobs mitbringen

cron.hourly, cron.daily, cron.weekly, cron.monthly

  • Anderes Prinzip: Hier liegen keine Crontab-Zeilen, sondern ausführbare Skripte ohne jede Zeitangabe
  • Wann sie laufen, steht in /etc/crontab bzw. wird von anacron bestimmt
  • Die Datei muss ausführbar sein
  • Unter Debian darf sie außerdem keinen Punkt im Namen haben – backup.sh wird von run-parts ignoriert, backup läuft. Unter Rocky läuft auch backup.sh
  • Welche Skripte laufen würden, zeigt unter Debian: run-parts --test /etc/cron.daily

Aufbau einer Crontab-Datei

* * * * * auszuführender Befehl
┬ ┬ ┬ ┬ ┬
│ │ │ │ │
│ │ │ │ └──── Wochentag (0-7 oder Sun, Mon, Tue,etc) (Sonntag =0 oder =7)
│ │ │ └────── Monat (1-12 oder Jan, Feb, etc)
│ │ └──────── Tag (1-31)
│ └────────── Stunde (0-23)
└──────────── Minute (0-59)

z.B. wöchentliches Backup der Heimatverzeichnisse aller Benutzer um 3 Uhr morgens:

0 3 * * 1 tar -zcf /var/backups/home.tgz /home/
Achtung beim Prozentzeichen
  • In der Crontab bedeutet ein unmaskiertes % einen Zeilenumbruch – alles dahinter wird zur Standardeingabe des Befehls
  • Datumsformate müssen deshalb maskiert werden:
0 3 * * 1 tar -zcf /var/backups/home-$(date +\%F).tgz /home/

Kurzformen

Statt der fünf Zeitfelder geht auch ein Schlüsselwort:

Kurzform entspricht
@reboot einmal nach jedem Systemstart
@hourly 0 * * * *
@daily 0 0 * * *
@weekly 0 0 * * 0
@monthly 0 0 1 * *

Beispiele

*/2 - Dieser Eintrag führt die Aufgabe alle 2 Minuten aus.
*/2 * * * * /pfad/zum/skript.sh
1,3,5,9 - Dieser Eintrag führt die Aufgabe zu bestimmten Minuten aus, nämlich 1, 3, 5 und 9.
1,3,5,9 * * * * /pfad/zum/skript.sh
5-9 - Dieser Eintrag führt die Aufgabe von Minute 5 bis Minute 9 in jeder Stunde aus.
5-9 * * * * /pfad/zum/skript.sh

Die Umgebung im Cron

  • Cron startet den Job nicht in Ihrer Login-Umgebung: PATH ist auf /usr/bin:/bin beschränkt, .bashrc und .profile werden nicht gelesen
  • Die Zeile wird mit /bin/sh ausgeführt, nicht mit bash. Unter Debian ist das dash: Bash-Eigenheiten wie [[ ]], {1..5} oder source funktionieren dort nicht. Entweder SHELL=/bin/bash oben in die Crontab schreiben oder ein Skript mit eigener Shebang-Zeile aufrufen
  • Das ist der häufigste Grund für „im Terminal geht es, im Cron nicht"
  • Deshalb im Job absolute Pfade verwenden oder PATH oben in der Crontab setzen:
SHELL=/bin/bash
PATH=/usr/local/bin:/usr/bin:/bin
  • Zum Nachsehen, was der Job tatsächlich vorfindet:
* * * * * env > /tmp/cronenv.txt

Lief der Job?

  • Cron protokolliert jeden Start – unabhängig davon, ob der Befehl selbst funktioniert hat
Debian
  • journalctl -fu cron
Rocky
  • journalctl -u crond -f
  • Ausgaben des Befehls gehen per Mail an den Benutzer (bzw. an die Adresse in MAILTO=). Ist kein Mailsystem eingerichtet, sind sie weg – deshalb im Job umleiten:
0 3 * * 1 /pfad/zum/skript.sh >> /var/log/mein-job.log 2>&1

Verwaltung von Crontab

Eigene Crontab anzeigen

  • crontab -l

Crontab eines anderen Benutzers anzeigen

  • crontab -l -u Benutzer (nur als root)

Crontab bearbeiten

  • crontab -e

Crontab löschen

  • crontab -r
  • Achtung: löscht die komplette Crontab ohne Rückfrage. Das r liegt auf der Tastatur direkt neben dem e – wer sich bei crontab -e vertippt, ist alle Jobs los. crontab -ri fragt vorher nach. Vorsorge: crontab -l > ~/crontab.bak

Crontab aus einer Datei lesen

  • crontab /Pfad/zur/Datei

Alternative Systemd

  • Systemd-Service-Dateien haben auch eine Timer-Funktion
  • Vorteile gegenüber Cron:
    • Sekundenauflösung statt Minute – allerdings nur mit AccuracySec=1s; standardmäßig fasst systemd Timer auf eine Minute genau zusammen
    • Persistent=true holt verpasste Läufe nach, wenn die Maschine zur fälligen Zeit aus war
    • Die Ausgabe landet im Journal und ist mit journalctl -u abrufbar, statt per Mail verloren zu gehen
    • Abhängigkeiten zu anderen Units sind möglich
  • Alle Timer und ihr nächster Lauf:
  • systemctl list-timers

Aufgaben

Aufgaben 1

Hinweis: Jobs, die nach /var/log schreiben oder /etc lesen, brauchen root – also als root mit crontab -e anlegen.

  • Erstellen Sie einen Cron-Job, der jede halbe Stunde den Inhalt von /tmp nach /var/log/tmp.log schreibt.
  • Erstellen Sie einen Cron-Job, der von Montag bis Freitag um 11 Uhr die Dateien aus /bin nach /root sichert.
  • Erstellen Sie einen Cron-Job, der jede Minute den aktuellen Speicherverbrauch in eine Logdatei schreibt.
  • Erstellen Sie einen Cron-Job, der jeden Tag um 12 Uhr mittags eine Datei mit dem Datum im Namen anlegt. Achten Sie auf das Prozentzeichen.
  • Erstellen Sie einen Cron-Job, der jeden Montag um 3 Uhr morgens ein Backup Ihres Home-Verzeichnisses erstellt.
  • Prüfen Sie im Log, ob die Jobs gestartet wurden.
  • Lassen Sie sich Ihre Crontab anzeigen und löschen Sie anschließend alle Jobs.

Aufgaben 2: Backup-Server mit Cron

  • Installieren Sie nfs-common (Debian) bzw. nfs-utils (Rocky).
  • Erstellen Sie das Verzeichnis /mnt/backup.
  • Tragen Sie die Freigabe in die /etc/fstab ein:
192.168.6.200:/mnt/data /mnt/backup nfs defaults,_netdev,nofail 0 0
_netdev: erst nach dem Netzwerk einhängen; nofail: Startet der Rechner ohne erreichbaren Server, bleibt er nicht im Notfall-Prompt hängen.
  • Laden Sie die Konfiguration neu, hängen Sie ein und kontrollieren Sie die Anbindung.
  • Erstellen Sie in /mnt/backup ein Verzeichnis mit Ihrem Hostnamen.
  • Erstellen Sie einen Cron-Job, der stündlich Ihr /etc in dieses Verzeichnis sichert. Die Sicherung soll einen Namen in der Art 2024-07-17-15-30-etc erhalten.
  • Warum muss hier besonders auf das Prozentzeichen geachtet werden?